
Mein neues Zelt hat vor allem eins: Eine grosse Eingangsfront, die sich komplett öffnen lässt! Womit ist es dann vergleichbar?
Einer Strandmuschel? Wäre zumindest so verwendbar. Aber ich habe eher an ein traditionelles Campfire Tent gedacht: Da macht man
abends ein kleines Feuerchen davor und die Rückwand vom Zelt reflektiert die Wärme zurück. Das sieht dann historisch gesehen so aus:
In milden Nächten kann das Zelt offen bleiben und man hat fast das Gefühl wie unter einem Tarp zu liegen. Bei Mückenproblemen lässt sich aber auch
die Innenwand schliessen, und schliesslich bei schlechtem Wetter auch die Aussenapside. Die Kombination mit einem drübergespannten
grösseren Tarp ist natürlich auch jederzeit möglich.
Das Zelt ist ein Querschläfer, das heisst, man
liegt quer im Giebel. Die Frontseite lässt sich grosszügig öffnen. Das ist viel besser als früher bei den Giebelzelten vergleichbarer Grösse, wo man
durch eine schmale Frontseite reinkriechen musste. Bei diesem Zelt kann man gemütlich am 135cm hohen Eingang sitzen und unter der Apside z.B. kochen.
Das ist bei einem Einpersonenzelt schon optimal.
Dieses kleine Zelt soll besonders robust und langlebig sein, und dabei auch noch leicht. Dass das nicht mit einfachen
Materialien zu erreichen ist, dürfte klar sein. Daher verwende ich für das Aussenzelt Etaproof. Das ist eine hochwertige Baumwolle,
die so dicht gewebt ist, dass sie sehr wasserdicht ist. Da sie aber nicht im Ganzen imprägniert ist, ist sie auch sehr dampfdurchlässig.
Ich hoffe, Kondensfeuchtigkeit an der Innenseite wird weitgehend vermieden, da ich mit dem Zelt auch im Frühjahr und Herbst an Flussufern
übernachten möchte. Hier hatte ich mit Kunstfasern immer üble Kondensprobleme.
Etaproof trocknet auch sehr schnell, weil es zum Einen erst gar nicht viel Wasser aufnimmt, zum Anderen ein sehr dünnes
Gewebe ist (dicht gewebte 175g/qm). Die dunkle Farbe beschleunigt die Trocknung, sobald auch nur ein bisschen Sonne rauskommt. Dafür ist es bei
geschlossenem Eingang im Zelt aber dunkel, der Stoff ist sehr lichtdicht. Nachts ist das egal, und tagsüber hält man sich nur
bei Regen mal im Zelt auf, und solange es nicht zu kalt und windig ist sorgt ein kleines Tarp dafür, dass man den Eingang offen halten kann.
Etaproof gibt es bei http://www.extremtextil.de bei
den unbeschichteten Geweben.
Herstellerinfo: http://www.stotzfabrics.ch
Sehr haltbar ist auch die feste Bodenplane, eine mehrfach PU-beschichtete Plane mit 120g/qm Gewicht. Falls Löcher
entstehen, können die mit Seamgrip abgedichtet werden. Die Bodenwanne ist nahtlos konstruiert. Ich nehme die beschichtete Seite nach unten: Lässt sich
leichter reinigen, da die Beschichtungsoberfläche glatt ist, und innen ist mir die unbeschichtete Gewebestruktur angenehmer. Die
Beschichtung auf der Unterseite sollte robust genug sein, um dem Abrieb gewachsen zu sein (mit Footprint unterm Zelt natürlich).
Nicht zuletzt sorgt auch die einfache Geometrie und reduzierte Konstruktion des Zeltes für die Robustheit. So wurden die Nähte
daraufhin angelegt, dass sie die einwirkenden Kräfte gut aufnehmen können. Sämtliche Abspannpunkte werden nachträglich auf die Nähte
aufgebracht. So werden die Nähte unter Belastung nicht auseinandergezogen und bleiben dicht.
Zur Dichtigkeit der Nähte ist kein Nahtdichter erforderlich. Es wird mit 75er Rasant und einer 70er Nadel sorgfältig genäht. Der
Baumwollfaden des Rasant-Garns quillt bei Nässe auf und dichtet das Nadelloch ab, wenn es nicht zu gross ist. Ausserdem sind alle Seiten des
Zeltes sehr steil, da fliesst Regen sofort ab.
Aufgrund des guten Aussenzeltmaterials ist ein Innenzelt nicht nötig.
Für kühle Nächte werde ich aber noch ein 'Lining' aus dünnem Gewebe anfertigen, das ich von innen an das Dach
knöpfen kann. Dieser 'Dachhimmel' trägt zur Isolierung bei.
Solche Linings haben schon die Indianer in ihren Tipis eingesetzt, und auch moderne 'Outdoor-Indianer' in ihren Kotas machen das noch so.
Zur Befestigung nähe ich kleine Bandschlaufen von innen an die Aussenzeltnähte und knote daran je einen Knopf an einen Faden. Dann kann
ich den Knopf in den Lining-Stoff einwickeln und durch die Schlaufe drücken. So hält das Lining ohne dass es selbst spezielle
Halterungen braucht. Ich kann also auch mal das Tuch austauschen, z.B. gegen ein buntbedrucktes Urlaubssouvenier.

Rechts ist eine Zelthälfte von vorne dargestellt, links die Seitenansicht.
Die Zeltform ist optimiert hinsichtlich Stoffverbrauch. Die Gesamtoberfläche des Aussenzeltes liegt bei nur 6,3qm (Die bestellten
4,50m Etaproof haben gerade so gereicht). Ein klassisches Giebelzelt käme damit nicht weit. Dafür ist die Höhe im Liegen an Kopf- und Fussende
etwas knapper.
Neben der 70cm breiten und über 2m langen Liegefläche ist im hinteren Teil noch Platz für einiges Gepäck, mehr als nochmal so viel Platz findet sich
vorne unter der Apside.
Die einzelnen Etaproof-Bahnen wurden mit Schablonen angezeichnet und ausgeschnitten. An der Vorderseite ziert dieses Logo das Zelt mit seinem Namen. Terra Habita ist eher lyrisch als auf irgendeine konkrete Sprache bezogen, Terra ist die Welt, und Habita heisst so viel wie wohnen, zu Hause sein.
Die Eingangsseite gibt sozusagen die Visitenkarte des Zeltes ab. Der YKK-Reissverschluss aus Metall ist aus einem Militärschlafsack.
Der ist schön robust, muss aber auch gelegentlich gereinigt und gefettet werden. Er ist nicht abgedeckt, mehr als ein paar Spritzer werden da aber wohl nicht reinkommen
wenn es regnet, und die landen in der bodenfreien Apside. Eine Abdeckung kann ich sonst noch nachrüsten. Seitlich habe ich reflektierende
Streifen mit eingenäht. Das Foto ist mit Blitz aufgenommen, damit man die Reflektion sieht, der Rest ist Sonnenlicht. Oben ist der
Reissverschluss mit einem quer drüber genähten Stück Gurtband gesichert. Es soll möglich bleiben, den Reissverschluss möglichst
weit nach oben zu öffnen.
Die Klebestreifen an der Seite sollen helfen, dass ich den Stoff beim Vernähen mit den Dachteilen nicht zu weit ziehe, die Webrichtung
liegt hier diagonal. Trotzdem werde ich das genau anzeichnen, alle handbreit einen Orientierungsstrich mit Schneiderkreide. Stecknadeln
werden nicht verwendet!
Alle Kappnähte nähe ich dreifach, hier die Naht zwischen den beiden Rückseitenhälften (oben Vorderseite, unten Rückseite des Stoffes):
Die erste Naht packt zwei Stofflagen,
die zweite im Idealfall 4, aber meistens sind es nur 3. Dann ist die Mittelnaht eine Not-Fangnaht, die sicher alle 4 Lagen Stoff packt, und
es ist nicht viel Arbeit sie hinzuzufügen.
Die 70er Nadel der Nähmaschine hat hörbar zu tun, durch die vier Lagen durchzustechen. Der Stoff ist eben sehr dicht gewebt.
Ich habe die Naht so angelegt, dass auch wirklich die vorgezeichneten Nahtkanten am Ende aufeinanderliegen, die Naht also wirklich
mittig auf dem fertigen Stoffpanel liegt.
Da der Dachfirst schräg verläuft, ist auch das Gewebe hier schräg an der Naht. Damit die Naht trotzdem Zugkräfte von der Abspannung aufnehmen kann, habe ich innen ein 16mm breites Gurtband eingenäht. Befestigt ist es nur an den Enden, in der Mitte hängt es frei und ich kann daran Sachen aufhängen, ne Lampe oder so.
Hier entsteht gerade die Innenwand aus Nylonstoff und Moskitonetz. Eine steife Schablone ist dabei eine grosse Hilfe. Zuerst wird ein Streifen Nylon an die eine Schmalseite des Moskitonetzes angenäht. Die Nahtkante wird dann gleich auf 10mm versäubert und zum Nylon hin flach gefaltet und mit leichtem Zickzackstich festgenäht.
Dann wird die andere Schmalseite und zuletzt die Giebelseite genauso angesetzt: Auf der Schablone genau ausrichten, Linie auf das Nylon übertragen, und mit Stecknadeln festheften.
Hier kommt nun noch eine Abdeckung für das Moskitonetz dran und der Reissverschluss, mit dem die Innenwand geschlossen werden kann.
© Februar 2009, Wolfgang Bion
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